Ansicht aus Hagen in Westfalen, Hintergrund

ALTE SYNAGOGE HOHENLIMBURG

MAHN- UND GEDENKSTÄTTE DER STADT HAGEN

Die Synagoge in Hohenlimburg wurde 1870 unter dem Baumeister Liesenhoff aus Oestrich vollendet. Sie liegt bei ihrer Nähe zu den ehemaligen Burgmannenhäusern im bürgerlichen Wohnbezirk auf einer Terrasse am Berghang. Die Synagoge hat einen kubischen Baukörper mit quadratischem Grundriss und zeigt so Anklänge an orientalische Bauformen.

Davon abweichend ist sie aber mit einem flachen verschieferten Pyramidendach bedeckt. An der Ostseite (Richtung Jerusalem) ist die fünfseitige Thora-Nische als Apsis angebaut. Diese hat oben ein Rundfenster mit dem Bild des Davidsterns. Stilistisch ist der mit großen Rundbogenfenstern versehene Bau dem so genannten klassizistischen Rundbogenstil zuzuordnen. Die Fenster zu beiden Seiten der einstigen Thora-Nische zeigen noch die Teilung durch einen Mittelsteg, der oben in Rundbögen ausläuft, wie sie früher alle Fenster hier hatten. Die jetzige kleinteilige Scheibenfüllung wurde erst später eingebracht.

 

Man muss sich bei der alten Fenstergestaltung vergegenwärtigen, dass sehr strenggläubige Juden darauf bedacht waren, nach Möglichkeit sowohl in den Fenstern als auch in den Gewölben deutlich hervortretende Kreuzformen wegen der Assoziation zum Christuskreuz zu vermeiden. In der Thora-Nische befand sich der Thora-Schrein mit den Thora-Rollen. Diese sind der kostbarste Besitz einer jeden Synagogengemeinde. Sie enthalten die fünf Bücher Mose, handgeschrieben auf Pergament. Inmitten der Synagoge stand zum Vorlesen des Thora-Textes das Pult, Bima oder auch Almemor genannt.

Synagoge
Synagoge Hohenlimburg (Foto: Michael Kaub)

Auf dem Entwurfsgrundriss der Synagoge zeigt die Frauenempore eine briete Einbuchtung, die offenbar notwendig war, damit die Frauen von oben das gesamte Lesepult mit dem Vorleser sehen konnten. Von 1870 bis in die 30er Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts diente das Gebäude als Gotteshaus der kleinen jüdischen Gemeinde.

Am 10.11.1938 gehörte es zu den Zielen eines von Parteigängern und Sympathisanten des NS-Regimes durchgeführten Demolationszuges. Der Davidstern auf dem Dach der Synagoge wurde heruntergerissen, das Dach, die Fenster, die Türen sowie die Inneneinrichtung wurden zerstört. Die Gemeinde war gezwungen, die Synagoge zu verkaufen. Ein Hohenlimburger Fabrikant baute das Gebäude zu einer Fabrikationshalle um.

Am 04.12.1975 brannte das in der Synagoge untergebrachte Pelzlager aus. Dabei wurde insbesondere der Dachstuhl in Mitleidenschaft gezogen. Anschließend begann der Verfall des Gebäudes. Die im Jahr 1980 gegründete Bürgeraktion "Synagoge Hohenlimburg" trug wesentlich dazu bei, dass das Gebäude erhalten blieb und restauriert wurde.

Am 15.09.1986 erfolgte im Beisein von Mitgliedern der früheren jüdischen Gemeinde Hohenlimburg und Hagen die Übergabe des hergerichteten Synagogengebäudes an die Öffentlichkeit - und zwar als Mahn-und Gedenkstätte der Stadt Hagen.