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Unterwegs lernen mit Handy, Netbook oder „Navi“: 350.000 Euro für die FernUniversität
Forschung: Weiterbilden beim Warten im LKW oder in der Maschinenhalle

07.10.09

Weiterbilden statt Zeitung lesen: Wie ein LKW-Fahrer eine Wartezeit sinnvoll für eine berufliche Qualifizierung nutzen kann, ist eine der zahlreichen Fragestellungen des Forschungsprojekts „Mobile-Learning – prozessorientiertes Informieren und Lernen in wechselnden Arbeitsumgebungen“, das von Experten der FernUniversität in Hagen koordiniert und wissenschaftlich begleitet wird. Dafür erhält die Medienuniversität vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fast 350.000 Euro. Insgesamt fördert das Ministerium das dreijährige Verbundprojekt, an dem u.a. auch die Daimler AG und die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) beteiligt sind, mit über einer Million Euro.


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FernUniversität in Hagen

Unter Leitung von Prof. Dr. Claudia de Witt, Lehrgebiet Bildungstheorie und Medienpädagogik der FernUniversität, übernimmt das Hagener Forscherteam das Projektmanagement, erarbeitet zusammen mit den Partnern die didaktischen Szenarien und evaluiert die Ergebnisse.

 

Weiterentwicklung des E- zum M-Learning

 

Dreh- und Angelpunkt sind die Weiterentwicklung des E- zum M-Learning und die sich daraus ergebenden didaktischen Herausforderungen in einem sich ständig ändernden Berufsalltag: Berufstätige, die viel unterwegs und selten am Schreibtisch sind, müssen aufgrund ihrer sich ständig ändernden Terminlage unvorhersehbare und arbeitskontextbezogene Zeiten nutzen können. Für solche Berufstätigen ist zeit- und ortsunabhängiges „Mobiles Lernen“ (Mobile Learning/M-Learning) mit mobilen Endgeräten erste Wahl, wenn sie sich weiterbilden wollen. So sollen Szenarien für mobiles Lernen in beruflichen Umgebungen entwickelt werden, von denen keine wie die andere ist.

 

Hierbei arbeiten die FernUni-Wissenschaftler mit Partnern aus der Praxis zusammen, die im Arbeitsalltag das umsetzen und erproben, was im Institut für Bildungswissenschaft und Medienforschung der FernUniversität grundlagenforschend entwickelt worden ist. „Der bevorstehende Wissenstransfer ist ein erfreulicher Schritt, um nicht nur die langjährigen Forschungsarbeiten nachhaltig zu sichern, sondern auch um ein praxisnahes Feedback zu den wissenschaftlichen Erkenntnissen zu bekommen“, freut sich Maciej Kuszpa.

 

Mobile Learning kann z.B. allen mobil arbeitenden Berufsgruppen nützen, die aufgrund ihrer Arbeitssituation für konventionelle Methoden der Unterweisung und Qualifizierung kaum verfügbar sind wie, z.B. Berufskraftfahrerinnen und -fahrer. Zusammen mit dem Institut Arbeit und Gesundheit der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (Dresden) sollen zunächst speziell für diese Berufsgruppe entwickelte Lernszenarien zu Arbeitsschutz und Gesundheitsprävention erprobt und auf ihre Einsatzmöglichkeiten hin erforscht werden. In Zusammenarbeit mit der Berufsgenossenschaft für Fahrzeughaltungen wurden drei Themenfelder für wichtig erachtet, auf denen im Einzelnen eingegangen wird. Grundlage für die Lerneinheiten stellen die typischen berufsbezogenen Belastungsfaktoren, wie langes Sitzen, Lärm, Ernährung, Ermüdung etc. dar. Die Fahrer haben die Möglichkeit, durch das Mobile Learning System direkt vor Ort – in der Fahrerkabine – in Warte- und Pausenzeiten zu lernen. Zum Beispiel in ihren „großen Pausen“ auf dem Rasthof bzw. in der Fahrerkabine oder während der Wartezeiten während der Be- und Entladung. Ziel hierbei ist es, den Lernenden ein Gefühl für ihre persönliche Beanspruchung durch ihre Arbeit zu vermitteln und auf Präventionsmaßnahmen hinzuweisen.

 

Das kann aber nur klappen, wenn Didaktik und Technik stimmen: Können bereits vorinstallierte Geräte in den Fahrerkabinen der Lkw für Weiterbildungszwecke genutzt werden? Sind Navigations- oder Telematiksysteme für diese Art von Lernvideos geeignet oder sind es doch besser Handys mit ihren Mini-Displays? Lernen Fahrer unterwegs interaktiv mit einem Mini-Notebook besser? Wichtig ist also, die richtigen Endgeräte auszuwählen und die Lerngewohnheiten zu analysieren. Dafür wurde eine Zielgruppenbefragung und eine Anforderungsermittlung durchgeführt: Es stellt sich die spannende Frage? Wie müssen Lerninhalte aufbereitet sein, damit die Berufskraftfahrer motiviert lernen können?

 

Für dieses Teilprojekt konnte auch die Reinfelder Spedition Bode als Partner gewonnen werden. Das Unternehmen gilt als vorbildlich bei Arbeitsschutz und Sicherheit.

 

 

Maschinen vor Ort warten

 

Ein anderes mögliches Szenario dreht sich um das Recherchieren und Verarbeiten von Informationen vor Ort für eine Wartung einer Maschine, weit vom PC des Service-Mechanikers entfernt. Bei der Instandhaltung von Maschinen im Lkw-Motorenwerk bringt die Daimler AG die Praxis ein. Es geht darum, dass Mitarbeitende in großen Fabrikationsanlagen unter Umständen sehr weite Strecken zurücklegen müssen, um zu einer Maschine zu gelangen. Stellen sie fest, dass ihnen Unterlagen für die Instandhaltung fehlen, müssen sie wieder zu ihrem Arbeitsplatz zurück, um sich dort per PC die entsprechenden Unterlagen zu besorgen. In dem Lernszenario holt der Mitarbeiter sein mobiles Endgerät aus der Tasche und ruft die Informationen vor Ort ab. „Der Lernprozess wird hier also sehr kleinteilig auf eine niedrige Ebene herunter gebrochen“, stellt Sandro Mengel, FernUniversität, fest. Dass es sich tatsächlich um einen Lernprozess handelt, erläutert Prof. Claudia de Witt: „Der Mitarbeiter sucht situationsbezogen bestimmte Informationen, mit deren Hilfe er das Problem sofort lösen kann – das ist durchaus ein Lernprozess!“

 

Ebenfalls zusammen mit dem Automobilkonzern soll eine Kommunikationsplattform für Mikro-Blogging um die Möglichkeiten von M-Learning erweitert werden: Mit Hilfe einer Mini-Kamera, die in dem Gerät eingebaut ist, soll der Mitarbeiter eigene Videodokumentationen beispielsweise zu Wartungsvorgängen erstellen und in eine Lernumgebung hochladen. Diese können seinen Kolleginnen und Kollegen helfen, ein ähnliches Problem schnell zu lösen.

 

So kann höchst flexibles, situationsbezogenes mobiles Lernen durchaus Computersimulationen – und damit E-Learning – zur Instandhaltung ersetzen.

 

 

Sind Mini-Displays sinnvoll?

 

Für eine weitere Zielgruppe dachten sich die Projektentwickler etwas Besonderes aus: Elektroniker und Auszubildende im Elektronik-Bereich sollen ihre privaten Endgeräte nutzen, also Handys und Smartphones. So will man zu aussagekräftigen Ergebnissen kommen, welche Darstellungsformen für Lerninhalte auch auf solchen Mini-Displays sinnvoll sind. Das interessiert u.a. den Verbundpartner Handylearn Projects, der Lerninhalte umsetzt und dabei mit einer Berufsschule kooperiert. Außerdem ist das Unternehmen als Softwareentwickler am Projekt mit der DGUV beteiligt.

 

Ein weiterer Projektpartner ist helpmaster.de. Das Unternehmen entwickelt Software für Handys und Smartphones, z.B. von Bankmitarbeiterinnen und -mitarbeitern. Jetzt hat die Firma M-Learning-Inhalte zu Geldwäsche und ein Fachvokabular Englisch im Rahmen des Verbundprojektes im Blick.

 

(Quelle: FernUni Hagen)



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